Und mit diesem Widerspruch muss der moderne Mensch leben. Die Masse und der enger werdende Raum sind für uns zu Konstanten des Alltags geworden. Immer kleiner wird der Platz, den wir unserer Persönlichkeit zuweisen können, immer seltener die kleinen Verstecke unseres Selbst in einer Welt, in der bald sieben Milliarden Menschen leben. Als würden sich die Wände deines Zimmers auf dich zubewegen, leise, aber spürbar schnell, unaufhaltbar, mit einer Kraft, die niemand kontrolliert, die der Eigendynamik der Masse entspringt.
Wenn es aber schwieriger wird, der eigenen Persönlichkeit Ausdruck zu verleihen, weil jeder Platz der Entfaltung vereinnahmt und publiziert und gespeichert wird, sei es durch die Wirtschaft in sozialen Netzwerken oder durch den Staat beim Reisen, muss sich der Mensch zunächst auf dass besinnnen, was er hat, was bereits ihm gehört: Seine Daten. Die Kombination aus physischen und charakterlichen Merkmalen, aus Körper und Geist, die ihn erst zu einem vollwertigen Menschen machen. Gibt er den Schutz dieser Merkmale auf, dann gibt er das Bild seiner Perönlichkeit jedem preis, den es interessiert.
Und es gibt eine Reihe von Interessenten. Es herrscht eine Arbeitsteilung: Die Wirtschaft möchte gerne mehr fast alles über den Charakter ihrer Kunden wissen, damit sie ihre Produkte besser verkaufen kann. Der Staat hingegen will die Daten, die dabei helfen Terrorismus und Verbrechen zu bekämpfen, er ist da eher Technokrat und will die Fingerabdrücke auf dem Pass speichern und im Notfall wissen, wen ich am 27.Januar 2008 von wo aus angerufen habe.
Wenn man Mitglied in StudiVZ ist, Kundenkarten benutzt und nebenbei einen neuen Pass beantragt hat, werden zur Zeit folgende Daten je nach eigener Wahl irgendwo digital gespeichert:
2) Biometrischen Daten des Gesichts
3) Finanzdaten
4) Studienort- und Studiengang
5) Mitglieder des Freundeskreis
6) Telekommunikationsdaten (einschließlich der Betreffzeile aller E-Mails)
In diesem Lichte besehen, ist es nicht das Spießbürgertum von Neo-Biedermeiern, das Einzug hält in unseren guten deutschen Online-Stuben, sondern der gesunde Menschenverstand.
JollyJ
1 Kommentar(e)
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ui, da muss man aufpassen, der Kollege hier hat flinke Finger! da recherchiert man ein wenig, während schon der nächste Eintrag steht..
Schönes Ding!