Tibet

Diese Bilder haben wir in Sichuan und Yunnan, zwei chinesischen Provinzen, aufgenommen, die zwar heute nicht mehr offizieller Teil der chinesischen Verwaltungsregion “Tibet” sind, aber immer noch eine hohe Dichte an Tibetern aufweisen. Es ist gar so, dass die dort lebenden Tibeter mehr Autonomierechte haben (bzw. hatten, angesichts der jüngsten Entwicklungen). So war es ihnen etwa erlaubt, Bilder des Dalai Lama bei sich zu tragen.

Und Tibet ein Mekka für Fotografen. Das Licht ist anders auf den Plateaus, klarer, heller und die Farben sind intensiver. Auch sind die Tibeter selbst verrückt nach Kameras, sie posieren für dich, fordern dich auf noch mehr Bilder zu machen und noch mehr und kichern und staunen, wenn sie die Fotos dann auf dem Bildschirm der Kamera sehen.

Aber seht selbst:

——————————————————————————-

Ich habe den Namen dieses Mönches schon vergessen, nur die Zeichnung bleibt mir als Zeuge. Er lebt in der gebirgigen Nähe von Litang, ein Stadt im südwestlichen China, nahe der tibetischen Grenze. Sein Zuhause ist die abgelegene Ruine eines von den Kommunisten zerstörten buddistischen Klosters. Als wir die wenigen bemoosten Überreste mit unseren Fahrrädern passierten, stürzte dieses kleine Männchen armefuchtelnd unerwartet aus dem Wald und rief uns hysterische Englischbrocken zu. Sein „Nono, here way!“ zeigte wenig Wirkung auf uns, sodass er eines unserer Räder anhob und damit zurück in den Wald flitzte, Richtung Ruinen. So führte er uns zu seiner Hütte, das Fahrrad lag in der Ecke des kleinen Hofes, aus dem Dachgeschoss winkte uns seine Hand fuchtelnd herauf, er lächelte. Dunkel und verraucht tat sich der Dachboden vor uns auf, mit weitem Blick über die Tempeltrümmer ins Tal. Verblasste Tücher und Buddhastatuen füllten den Raum, ein großer Gong erhob sich neben einem Altar, mit Bildern des Dalai Lama. Der Mönch zögerte nicht lange, bat uns, Tee zu trinken und Honig zu kosten. Beides verschmutzt mit toten Insekten nahmen wir die Geschenke zwar entgegen, hielten uns aber zurück. Algorythmisch wiederholte er den gleichen Satz, „Please to meet you!“, doch Verständigung schien sowieso nicht möglich. Auf einmal sprang er auf, zerrte uns zum Altar, kniete uns nieder um mit uns zu beten, den Gong zu schlagen, und Räucherstäbchen zu entzünden. Da hockten wir, zusammengekrümmt, auf dem Boden, die Räucherstäbchen trieben uns Tränen in die Augen, während unser Mönch wie wild auf den Gong einschlug und seine Gebetssprüche in den Raum grummelte und heulte. Als die Zeremonie beendet war, scheuchte er uns freundlich lächelnd aus dem Haus, riss eines der Räder an sich und trug es zurück zum Weg. „Byebye“ sagte er noch, und „Give some money!“. Dann verschwand er zwischen den Pinien.

Hinterlasse einen Kommentar

Es gibt noch keine Kommentare.

Comments RSS TrackBack Identifier URI

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s