www.myCIA.com

Es gibt doch immer etwas Neues, etwa deine eigene kleine Schnüffelseite (nein, ich meine nicht StudiVZ):

AOL Database Search aka „Der Albtraum“ – Versehentlich stellte AOL vor zwei Jahren die Daten von über 650.000 Suchanfragen zum Download bereit. Das gesuchte Stichwort, die IP-Adresse des Nutzers und die letztlich angeklickten Links der Anfragen waren darin gespeichert. Noch ehe AOL die Daten ohne Schaden wieder vom Netz nehmen konnte, wurden sie bereits tausende Male heruntergeladen und zirkulieren seitdem im Netz. Irgendjemand richtete später diese Suchmaschine ein, mit der man die ganzen Daten durchforsten kann – welcome to myCIA.com!

Das es aber auch anders gehen kann, zeigt Ixquick aka „Der Traum“ – Eine Meta-Suchmaschine, die nach eigener Angabe, die kompletten persönlichen Daten ihrer Nutzer nach 48 Stunden löscht und obendrein durch die Meta-Technologie (gleichzeitige Suche des Begriffs bei verschiedenen Suchmaschinen) noch brauchbare Suchergebnisse liefert. Dahinter steckt die Firma Surfboard Holding BV mit Sitz in den Niederlanden, die sich in Privatbesitz befindet und sich – ähnlich wie Google – über eingeblendete Werbung bei Suchanfragen finanziert. Der Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung empfiehlt ixquick.

[via okej]

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Seine Daten, Microsoft und China

Manch einem mögen die steten Warnungen vor Mißbrauch seiner Daten äußerst übertrieben vorkommen. Markus Beckedahl allerdings hatte vor Jahr und Tag bereits auf heise.de folgende Meldung gefunden:

Li Yuanlong, ehemaliger Reporter der südchinesischen Zeitung Bijie Daily, wurde unter dem Vorwurf der Subversion zu zwei Jahren Gefängnisstrafe verurteilt. […]

Die Behörden sollen Li Yuanlong über E-Mails, die von einem Hotmail-Konto verschickt wurden ausfindig gemacht haben.
[Hervorhebung durch Autor]

Microsoft hat wiederholt bestritten, an der Weitergabe der Kundendaten aktiv beteiligt gewesen zu sein. Im Fall von Yahoo liegen der Menschenrechtsorganisation Reporter ohne Grenzen (ROG) hingegen zahlreiche Hinweise und Belege für die Freigabe von Kundendaten gegenüber chinesischen Behörden vor. Anfang Juli hat sich auch das Europäische Parlament eine Resolution zur freien Meinungsäußerung im Internet verabschiedet und Firmen wie Yahoo, Google und Microsoft dafür kritisiert, dass sie der chinesischen Regierung die Zensur ihrer dortigen Dienste erleichterten beziehungsweise ermöglichten. […]


Yup! Der Verstand!

Der Biedermeier also? Das Schreckgespenst des deutschen Revolutionärs aus den Bilderwelten von Carl Spitzweg in die digitale Welt umgezogen? Hier wie dort, so steif, so feige, so träge?
Mitnichten.
In einer Zeit, in der alles käuflich ist, in der die Kultur der Masse zur bestimmenden Größe unseres Denkens und Handelns geworden ist, bleibt nicht mehr viel Platz für Individualismus. Das scheint ein Widerspruch sein, ist doch das Internet das erste Medium, mit dem sich jeder barrierefrei so darstellen darf, wie er will. My Space & Co bieten die Möglichkeit tausenden Menschen auf seine Weise zu erzählen, wer man ist, wie gut, schön und kreativ man doch sei – und wie individuell.
Einzigartigkeit entsteht aber nicht durch das Zusammenstellen von Bildern, Zitaten, Links und Gruppen, Einzigartikeit ist ein Unding in sozialen Netzwerken; es bleibt nur die Wahl, ob man nun Bronze oder Eisen in die Form gießt. Man ist nur ein kleines Schaf in der blökenden StudivZ-Herde – da läuft die Sache ähnlich wie die Shoppingtour bei H&M. Jeder sucht sein Kleidungsstück, die Hose, die quasi nur für ihn erschaffen wurde, aber letztlich noch weitere Zweihunderttausend Mal in 1345 anderen Läden der Welt käuflich zu haben ist. Das ist Massenindividualismus – ein Widerspruch in sich.spitz1.jpgUnd mit diesem Widerspruch muss der moderne Mensch leben. Die Masse und der enger werdende Raum sind für uns zu Konstanten des Alltags geworden. Immer kleiner wird der Platz, den wir unserer Persönlichkeit zuweisen können, immer seltener die kleinen Verstecke unseres Selbst in einer Welt, in der bald sieben Milliarden Menschen leben. Als würden sich die Wände deines Zimmers auf dich zubewegen, leise, aber spürbar schnell, unaufhaltbar, mit einer Kraft, die niemand kontrolliert, die der Eigendynamik der Masse entspringt.

Wenn es aber schwieriger wird, der eigenen Persönlichkeit Ausdruck zu verleihen, weil jeder Platz der Entfaltung vereinnahmt und publiziert und gespeichert wird, sei es durch die Wirtschaft in sozialen Netzwerken oder durch den Staat beim Reisen, muss sich der Mensch zunächst auf dass besinnnen, was er hat, was bereits ihm gehört: Seine Daten. Die Kombination aus physischen und charakterlichen Merkmalen, aus Körper und Geist, die ihn erst zu einem vollwertigen Menschen machen. Gibt er den Schutz dieser Merkmale auf, dann gibt er das Bild seiner Perönlichkeit jedem preis, den es interessiert.

Und es gibt eine Reihe von Interessenten. Es herrscht eine Arbeitsteilung: Die Wirtschaft möchte gerne mehr fast alles über den Charakter ihrer Kunden wissen, damit sie ihre Produkte besser verkaufen kann. Der Staat hingegen will die Daten, die dabei helfen Terrorismus und Verbrechen zu bekämpfen, er ist da eher Technokrat und will die Fingerabdrücke auf dem Pass speichern und im Notfall wissen, wen ich am 27.Januar 2008 von wo aus angerufen habe.

Wenn man Mitglied in StudiVZ ist, Kundenkarten benutzt und nebenbei einen neuen Pass beantragt hat, werden zur Zeit folgende Daten je nach eigener Wahl irgendwo digital gespeichert:

1) Fingerabdrücke

2) Biometrischen Daten des Gesichts

3) Finanzdaten

4) Studienort- und Studiengang

5) Mitglieder des Freundeskreis

6) Telekommunikationsdaten (einschließlich der Betreffzeile aller E-Mails)

7) Einkaufsverhalten

In diesem Lichte besehen, ist es nicht das Spießbürgertum von Neo-Biedermeiern, das Einzug hält in unseren guten deutschen Online-Stuben, sondern der gesunde Menschenverstand.

JollyJ

Lieber Herr Schily!

Lieber Herr Schily,

es ist okay, wenn sie Beteiligungen an Unternehmen kaufen und sie sich etwas extra verdienen wollen für ihren Ruhestand, es ist okay, wenn sie sich unbedingt in irgendeinem Aufsichtsrat austoben wollen, weil ihnen die Gartenarbeit nichts gibt.

Aber, lieber Herr Schily, tun sie das gefälligst in irgendeiner Branche, die nichts mit meinen Fingerabdrücken, mit dem Abstand zwischem meinem Haaransatz und meinen Augenbrauen zu tun hat. Mein Gesicht gehört mir – nicht dem Staat, nicht irgendeinem Unternehmen und auch nicht Ihnen.

Und, lieber Herr Schily, ich will mich noch bei Ihnen bedanken, bedanken dafür, dass sie ihren Nachfolger im Amt, Wolfgang Schäuble, aus dem Fokus des Bürgerzorns geschoben haben. Es wurde langsam langweilig mit ihm. Er wollte irgendwie nicht mehr so richtig.

Warum wollte er eigentlich nicht mehr so recht? Noch speichert doch noch niemand, wie oft ich am Tag aufs Klo gehe oder mein Gemächt richte? Und warum speichert eigentlich niemand, wie oft ich mich am Tag über so einen Unsinn wie die Vorratsdatenspeicherung und Fingerabdrücke auf einem elektronischen Chip ärgere?

Ach nein, entschuldigung, Herr Schily, entschuldigung Herr Schäuble, das geht ja niemandem etwas an, da bin ich wohl etwas über das Ziel hinausgeschossen. Schließlich will ja niemand unsere Freiheit im Namen des Terrorkampfes einschränken – und auch niemand daran verdienen…

Mit freundlichen Grüßen

JollyJ