Grenzen der Technik #2

Aka.aki, die neueste Kopie von Facebook, präsentiert sich seit kurzem mit einem netten Video im Netz. Das System macht es Handy-Nutzern möglich, durch ein Facebook-ähnliches System zu kommunizieren.

Hier die Seite..

Schon zu Beginn wird klar gestellt, für welchen Typus dieses Medium ausgelegt ist und wie dieser es optimal verwendet: unsere Hauptdarstellerin Stefanie bekommt eine Nachricht von ihrer Freundin Lisa, die ihr sagt, dass sie „eine heiße Braut“ sei, – „aber das weiß Steffi ja schon.“. Große Klasse. Ein weiterer Effekt wird im Laufe des Videos deutlich:  bist du ein Student, wirst du mit Aka.aki warscheinlich die Uni schmeißen müssen – nicht nur, dass Steffi vergisst, auszusteigen, sie entscheidet sich lieber dafür, in einem Café mit ihrem Handy nach Jungs zu chatten, als die Vorlesung zu besuchen. Am Ende des Tages ist Steffi ziemlich geschafft, musste sich ja auch den ganzen Tag auf den Minibildschirm ihres Handys konzentrieren, und obwohl sie durch Aka.aki drei potenzielle Partner ausspähen und anmachen konnte, liegt sie abends allein in ihrem Ikea- Bett.

Nunja, Social Network macht halt einsam…

studi deinen eigenen Eintrag

Interessant, was sich gerade bei der Studivz Network-Studentenschaft ereignet: Scharenweise flüchten die Immatrikulierten in die Anonymität, verstecken sich hinter Pseudonymen oder verkriechen sich in die Privatssphäre, verschließen die Tore vor jeglichen Fremden oder Gästen.

Ja, schlussendlich hat der deutsche Biedermeier in der Community Einzug gehalten. Was früher einst das Wesen der Gemeinschaft ausmachte – jeder kannte jeden über irgendwelche Wege – ist heute eine Grüppchenbildung von Userkonten. Aus der Traum des Netzwerkes, vernetzt ist man schon lange nicht mehr.

Doch wo fing alles an? Die Werbung, die sich mit der Zeit einstellte, ließ den einen oder anderen schon etwas ahnen, die Bombardierung nahm zu, nervös wurde man auch, als das kleine beschauliche soziale Netzwerk zum Jahreswechsel vollends in das mächtige Boot der Holtzbrinck-Konzerne verladen wurde. Doch Panik erfasste die Gemeinde erst, als sich die Gerüchte herumsprachen: Firmen checken die Eignung ihrer Bewerber anhand der Layouts von Studiseiten. Löblich, vielleicht, dass sich keine Fleischschau a la MySpace entwickelte, doch der Stich ins liberale Herz war die neue AGB, einherreitend mit der Erwähnung Dritter und dem Datenhandel.

Seitdem findet man zu den Ursprüngen des sozialen Netzwerkes zurück, man könnte meinen, studivz nehme nun reale Züge an. Rückzug ist angesagt, WWW ist aus, man findet sich in sozialen Gruppen und Klassen zusammen, der einstige Zusammenhalt ist zersplittert, die Einheiten voneinander getrennt. Geteilt wurde man ja bereits schon einmal, in Studi- und Schüli-Welt. Nun, das ist de facto – Gesellschaft, wie sie von Pierre Bourdieu oder Berger/Luckmann umschrieben wird. Das ist aber auch der Biedermeier, der Rückzug ins Beschauliche, ins Idyll und ins Private sucht. Hecken und Gartenzäune sprießen aus der Erde, mehr und mehr Bilder hängen an der Wand, Kaffeekränzchen im Chat zum Sonntag. Die Restauration als Antwort auf die Enttäuschung im großen Gedanken und der Hoffnung, die ins Netz gesetzt wurde?

Naja, umso mehr kann man sich wenigstens wieder über Besuch freuen..

tomprix

Wer orientiert sich zuerst..?

Studivz, Facebook, Myspace, ich habe alle und warte sehnlich bis jemand endlich meine Seite besucht, und sich anschaut, wie schön ich sie eingerichtet habe. In heaven everything is fine. Vielleicht treffe ich alte Freunde auf etwas SmallTalk, wenn denn mal einer zurückschreibt, und sich nicht nur nach meinem Wohlergehen erkundigt. Irgendwie sehne ich mich manchmal nach den alten Kettenmails, die hatten so etwas Persönliches. Da interessierte sich jemand für deine Augenfarbe, und wer dein bester Freund ist.Wo ich doch extra den allerneuesten Browser habe, mit der aktuellen Toolbar, wo alle Steuerelemente sogar 3D sind. Sogar MSN ist dort aufgelistet, um mich auf dem neuesten Stand von meinem Posteingang zu halten.Daneben reihen sich kleine Symbole von Google, youtube, ebay, amazon, alle meine Daten sind vernetzt in die Welt. Und alles zum Downloaden, uploaden, updaten, ich weiß nur leider nicht mehr, was ich loade und wozu. Und wer mich loadet. Und ob ich dieses Wort überhaupt eindeutschen sollte oder doch einfach „laden“ schreibe.Ich weiß auch nicht, wie man aus Gehirnen Radiergummiköpfe herstellen soll, aber ich weiß, wo die Antworten stehen, weiß, wo ich meinen Suchbegriff eingeben muss. Und ich finde und finde und finde bis ich vergesse, wonach ich eigentlich suche, vergesse auch, warum ich diesen Trailer jetzt anschaue, warum unsere Medien von Wahlkampfnachrichten aus den USA überflutet sind. Soviel Wissen, soviel Freunde (ich habe zur Zeit genau 48, sagt mein Studivz. Die anderen haben aber alle mehr.), so viele Informationen, doch keiner (warum sind David Lynch Filme immer so lang?!) sagt mal was Sache ist, was wichtig ist, wer wohin wohl am besten passt, sobald die Tür aufgeht und jemand mir n Lächeln schenkt, weiß ich brauch nirgendswohin mehr gehen, und welche Freunde nun deine Freunde sind. Keiner sagt wem bescheid.

Mein 2nd life, ist das mein Alter Ego?

Digitalisierte Sphären bestehen aus Kopien der Kopien, doch wer denkt hier an Kants Negation der Negation, wenn die Qualität des Originals nicht mehr gerecht wieder gegeben werden kann. Ist virtuelle Interaktion eigentlich noch soziales Handeln oder vielmehr ein utopischer Austausch von Informationen?

Ulrich Beck plädiert dafür, neue Prioritäten zu setzen. Vollbeschäftigung sei angesichts der Automatisierung nicht mehr erreichbar, nationale Lösungen seien unrealistisch, „neoliberaleMedizin“ wirke nicht.Recently he has embarked on exploring the changing conditions of work in a world of increasing global capitalism, declining influence of unions, and flexibilisation of the labor process, a new theory rooted in the concept of cosmopolitanism.Gerade umarmt er die Blondine mit den aufgeplähten Wangen, und taucht kurz in helles Licht, um dann in seinem dunklen, in Schwarz-Weiß getünchten Zimmer aufzuschrecken, den Schrei der Missgeburt vernehmend.Seit mich mein Engel nicht mehr bewacht,
kann er frei seine Flügel entfalten
und die Stille der Sterne durchspalten, –
denn er muss meiner einsamen Nacht
nicht mehr die ängstlichen Hände halten –
seit mich mein Engel nicht mehr bewacht.
Wer blindet Trende folgen??

Doch verschwinden nicht alle im Meer der Informationen. Während ich diesen Artikel schreibe, Eraserhead in einem zweiten Fenster sehe und Clueso aus den Boxen summt, habe ich auch Zeit, ein paar Informationen anzuhäufen. Inzwischen schon auf Platz 2 des internationalen Ranking, nur noch um circa 93 mrd. Dollar im Rückstand auf Microsofts Marktwert, ordnet Google Inc. für uns das Netz (und somit seine chaotische Vielzahl von Nachrichten und Informationen (siehe Blog unten)) zu einem handlichen Packet, kompakt mit GNews, GMail, AOL, Netscape, Youtube, Panoramia, Firefox, ach ja, und natürlich die gute alte Suchmaschine.So forciert sich auch Ebay darauf, eine weite Marktpalette übersichtlich für uns zu ordnen. Sowie Apple. News Corp, Microsoft … Nun denn, werfen wir doch mal einen Blick auf diese für uns geordnete Welt:

http://www.outfoxed.org/

kind regards,

tomprice